Lesehilfe für die Frakturschrift

Einige Zeitungszeugen-Leser schreiben uns, dass sie Schwierigkeiten beim Lesen der Frakturschrift haben, die einige Zeitungen 1933 bis 1945 noch benutzten. Mit diesem Schriftvergleich zwischen Fraktur und Antiqua soll Ihnen das Lesen erleichtert werden.



PDF zum Downloaden

Hintergrund


Die Fraktur entwickelte sich aus der „Schwabacher Schrift“, die um 1470 in Deutschland entstand und durch Martin Luthers Bibel- drucke weite Verbreitung fand. Die nicht unumstrittene Fraktur – Jakob Grimm bezeichnete sie 1854 als Schrift des „gemeinen Volkes“ – wurde bald mit der deut- schen Sprache verknüpft und gilt bis heute als „typisch deutsch“. Als dezidiertes Gegenstück zur Fraktur entwickelte sich in der Re- naissance die Antiqua, die im 19. Jahrhundert auch in Deutschland immer öfter verwendet wurde. In     dieser Zeit begann der deutsche Antiqua-Fraktur-Streit, der über Jahrzehnte die Gemüter erregte. Mit der Machtübernahme der Na- tionalsozialisten 1933 schien der Streit zugunsten der Fraktur ent- schieden. Die Fraktur als deutsche Schrift und Ausdruck deutscher Identität sei zu pflegen, befahl Reichsinnenminister Wilhelm Frick. Folglich wurde 1937 jüdi- schen Verlagen die Verwendung der Fraktur verboten.
1941 kam es jedoch zu einem über- raschenden Umschwung in der Reichsführung. In einem geheimen
    Erlass gab der Stabsleiter Mar- tin Bormann das Verbot der Fraktur, als „Schwabacher Ju- denlettern“ verunglimpft, und die Einführung der Antiqua als „Normal-Schrift“ bekannt. Offensichtlich hatte sich Adolf Hitler – schon immer ein Gegner der Fraktur – parteiintern durch- gesetzt. Heute ist diese Schriftform vor allem im rechtsextremen und neonazistischen Milieu zu finden. Hier gilt trotz des nationalsozi- alistischen Verbots der Fraktur die Schrift als Symbol für „echtes Deutschtum“.